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Carl Friedrich Wilhelm Großmann

“Die Beste vom Schlesischen Bahnhof”

Karl Großmann, Quelle: Kriminalia.de

*13. Dezember 1863 in Neuruppin

† 5. Juli 1922 in Berlin

[Die meisten nachfolgenden Informationen sind mit Vorsicht zu genießen, da man aufgrund von gravierenden Abweichungen in einzelnen Erzählungen unter Umständen von Legendenbildung ausgehen muss. Es wurde versucht bei der Auswahl der Informationen jenes herauszufiltern, was als gesichtert schien. Dazu im Detail: http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2009/4297/pdf/Disskompischtext.pdf)

Großmann wurde am 13. Dezember in Neuruppin als eines von acht Kindern eines Lumpensammlers geboren. Ab 1876 war er in der Fleischerei von Ferdinand Kliefoth Lehrling. Zu dieser Zeit fing er an, seine blutrünstigen Gedanken zu äußern. Diese waren so abartig, dass selbst sein Bruder Franz Angst vor ihm bekommen haben soll. 1879 wurde er aus der Fleischerei entlassen, nachdem er sich der Frau des Fleischers sexuell zu nähern versuchte.

Hiernach zog Carl Großmann nach Berlin, wo er in einer Fleischerei nahe dem Alexanderplatz arbeitete. Später zog er als Bettler und Hausierer durch Süddeutschland, wo er auch seine ersten kleinen Straftaten begann. Hausfriedensbruch, Körperverletzung wurden ihm zur Last gelegt und er verbüßte mehrere Gefängnisstrafen. Weil er keine Frau finden konnte vergewaltigte er Kinder und auch Tiere.

„Ich arbeite nicht, morde nur die Leute und nehme ihnen das Geld weg. Ich bin Schlächter von Beruf, schlachte aber kein Vieh, sondern nur Frauen. Ich schneide sie in Stücke und verbrenne die Stücke. Den Pferden steche ich die Augen, den Hunden schneide ich die Augen mit einem Messer aus, und die kleinen Kinder schlage ich mit einem Stein tot.”

Der betrunkene Karl Großmann zu einem Bekannten, Friedrichshain, 1921 Nachdem er 1899 eine Vierjährige, welche nur Tage nach der Tat starb, und eine Zehnjährige am selben Tag vergewaltigte, wurde Großmann zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Nachdem er diese 1913 abgesessen hatte, kehrte er nach Berlin zurück.

Großmann bezog eine Wohnung im Friedrichshain, welches damals wegen seiner hohen Verbrechensrate auch das Berliner Chicago genannt wurde. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges begann das Morden.

Für seine Wohnung in der Lange Straße 88 suchte er immer wieder Wirtschafterinnen. Stellungslose Haushälterinnen und Frauen, die keinen Pfennig mehr zum Leben hatten und als Prostituierte arbeiten mussten, in der ständigen Angst, dabei von der Polizei erfasst und dafür mit Zuchthaus bestraft zu werden, gingen zunächst gern auf Carl Großmanns Arbeitsangebot ein. Vermutlich sprach Großmann die Frauen am Andreasplatz in der Nähe des Schlesischen Bahnhofs an, wo er einen Wurststand eröffnet hatte, an.

Die Frauen und Mädchen, die sich Großmann ins Zimmer holte und mit ihnen seine spezifische Sexualität auslebte, hießen Margarete, Maria, Martha, Johanna, Helene und Anna. Die größte Lust verspürte er, wenn er sie fesselte und folterte. Wiederholt zeigte Großmann allerdings seine Opfer bei der Polizei an. Jedes Mal behauptete er, eine Wirtschafterin habe ihn bestohlen und sich anschließend aus dem Staub gemacht.

Eine Zeugin will ihn 1920 beim Ablegen der Leichenteile von Frieda Schubert erkannt haben. Eine Durchsuchung seiner Wohnung am 21. Oktober 1920 förderte jedoch nichts Belastendes zutage. Großmann schien zu diesem Zeitpunkt noch eine andere Behausung angemietet zu haben, eine Laube in der Landsberger Chaussee. Diese wurde erst 1921 im Zuge der Mordermittlungen untersucht, wobei sich weitere Körperteile toter Frauen fanden. Die Wohnung im 4. Stock des Hinterhauses an der Langen Straße 88/89, mehr eine Kochstube, fiel nicht aus dem Rahmen. Nur dass es hinter der Wohnungstür mitunter etwas lauter zuging als anderswo und dass auf dem Treppenabsatz manchmal tagelang beißender Gestank klebte. Die Nachbarn kümmerte es nicht. Auf dem Türschild stand der Name Manfrim Itzig, Carl Großmann lebte bei dessen Familie als Untermieter. Itzigs hatten selbst erst seit wenigen Monate in der Wohnung gelebt.

Zwischen 1918 und 1921 wurden im Engelbecken und im Luisenstädtischen Kanal in der Gegend Schlesischer Bahnhof (heute Ostbahnhof) 23 zerstückelte Frauenleichen gefunden.

Am 21. August 1921, erfolgte, unter der Führung des Kriminalkommissars und großen Mordexperten der Kripo Ernst Gennat, damals 41 Jahre alt, die Festnahme Großmanns in der Wohnung unweit des Schlesischen Tores.

Nachbarn hatten die Polizei alarmiert, als sie die Todesschreie des Opfers Marie Nietsche gehört hatte. Bei der Wohnungsdurchsuchung fanden die Kriminalbeamten außer einer schrecklich zugerichteten Leiche mehrere Frauenkleider, einen blutigen Sack und menschliche Körperteile im Kohleherd. Carl Großmann wurde unbekleidet und blutüberströmt neben einer ermordeten Frau festgenommen. Im Kochherd fanden die Beamten weitere menschliche Körperteile.

Die Polizisten hinderten ihn am Suizid.

Großmann gestand lediglich drei Morde, doch die Polizei vermutete, dass er für das Verschwinden von weiteren Frauen verantwortlich.Gefunden wurden zahlreiche Leichen von Frauen in den Kanälen um Großmanns Wohnung. Großmann erhängte sich vor Ende der Hauptverhandlung in seiner Zelle mithilfe seines Bettzeuges an einem Nagel in der Tür selbst. Ihm hätte am Ende der Verhandlung die Todesstrafe gedroht. Sein Anwalt von Großmann war kein geringerer als Erich Frey, der schon die Serienmörder Haarmann und Schumann verteidigte.

Als Zeuginnen traten vor Gericht insgesamt 17 Frauen auf, die Großmanns sexuelle Misshandlungen überlebt hatten. Sie wurden ihm scharf verbal attackiert und als unglaubwürdig dargestellt.

Großmann gilt als der Serienmörder mit den vermutlich meisten Opfern in Deutschland, der nicht verurteilt wurde.

Anne-Kathrin Kompisch stellt in ihrer Dissertation fest, dass es seitens der zeitgenössischen Presse offenbar eine weit verbreitete Akzeptanz von Gewalt gegen Frauen im Allgemeinen und hier gegenüber prostituierten Frauen oder zumindest als liederlich empfundenen Mädchen im Besonderen gab. Denn sein Tun ging nicht im Verborgenen ab: Die Nachbarn bemerkten den stetig wechselnden Damenbesuch, und sie hörten auch regelmäßig Schreie, “Hilferufe” und “Wehrufe”. Für ein Frauenmörder wurde er jedoch nicht gehandelt, sondern als “Lustgreis”.

„Na, laß doch den ollen Herrn seinen späten Frühling“, meinten manche Leute der Langen Straße, wenn vor dem Haus Nr. 88 oder beim Grünkramfritzen darüber geklatscht wurde, wie oft Grossmann seine Wirtschafterinnen wechselte. Daß es in der Wohnküche im vierten Stock manchmal laut wurde, daß man Schläge und Schreien hörte – auch das nahm man in dieser grauen Elendsgegend nicht sehr tragisch: „Krach kommt in die besten Familjen vor …“ „Wo der olle Zausel die Meechens immer herbringt“, wunderte sich eines Abends Grossmanns Nachbar, der Arbeiter Robert Iglinsky, als es in der Wohnküche nebenan wieder mal hoch herging. „Na, brauchste dir wundern!“ meinte seine Frau und machte die Bewegung des Geldzählens. „Marie hatter und ne warme Bude hatter. Und een Kafalier isser ooch …“

Die Gewalt wurde von der damaligen Gesellschaft am ehesten als gerechte Strafe für die Aufgabe des bürgerlichen Ideals der keuschen und tugendhaften Frau gesehen. Großmanns Treiben wurde von seiner Nachbarschaft teils amüsiert, teils erzürnt bemerkt. Frauenmorde wurde ihm nicht zugetraut, nach seiner Überführung jedoch erfolgten Projektionen der schlimmsten Perversionen, er wurde zur Inkarnation des Bösen.

Presseberichterstattung

Die Berichterstattung war von Sensationsgier getrieben. Es wurde ein Bodycount betrieben (“weit mehr als 100 Frauen” seien seine Opfer gewesen).

Es gab auch das unbestätigte Gerücht, dass er Teile seiner Opfer zu Wurst und Konserven verarbeitete und sie an seinem Wurststand am Schlesischen Bahnhof verkaufte. Auch wird spekuliert, dass er selbst Teile seiner Opfer aß. Auch die Ermittler trauten ihm dies zu.

Es wurde wenig auf Grundlage von Fakten, sondern vielmehr auf Grundlage von Spekulationen und Übertreibungen berichtet.

Die Opfer

Anklage zunächst Marie Nitsche, Elisabeth Barthel, Johanna Sosnowksi

  • Elisabeth Barthel - Anfang August 1921
  • Johanna Sosnowski, 24 Jahre, Dienstmädchen, Mutter eines Kindes: 13. August 1921
  • Marie Theresia Nietsche, 35 Jahre, Köchin: Sonntag, 21. August 1921
  • Nicht angeklagt, aber sehr wahrscheinlich:
  • Albertine Ascher
  • Martha, aus Polen
  • Frieda Schubert, ihre Handtasche wurde auf seinem Grundstück gefunden.
  • und weitere namentlich nicht bekannte Frauen (Zahl wäre spekulativ)

Fachpresse / Medien zum Opferbild

Interessant ist ein Zitat aus einem Fachartikel von Kronfeld über die Lebenssituation der Opfer:

“Man erlebte in einer Weise, die alle Abhandlungen über die Minderwertigkeit und den angeborenen Schwachsinn der Prostituierten Lügen strafte, mit monotoner Regelmäßigkeit bei den vielen Zeuginnen den sozialen Faktor der Prostitution, die Not. […] Die Schrecken der Reglementierung, die Schrecken der Obdachlosigkeit und des Hungers, die Schrecken der Arbeitslosigkeit und des Ausgestoßenendaseins aus allen menschlichen Beziehungen - sie waren es, die dem Großmann alle seine Opfer in den Weg führten. […] Wer wie ich bisher den endogenen Faktor auch in der Entstehung der sozialen Lebensgestaltung für das Wesentliche hielt […], der ist, das gestehe ich offen, mit anderer Meinung aus dieser Verhandlung hervorgegangen”

Die Einschätzung der Not, die die Frauen in Großmanns Arme getrieben wurde, wurde auch teilweise von den zeitgenössischen Medien transportiert. Teilweise wurden die Opfer jedoch auch als geldgierig dargestellt. Es wurde auch Victim Blaming betrieben. Es war die Rede von Großmanns “Frauenhass, der sich erklärlicherweise noch vergrößerte, wenn eine Frau ihn reizte. Wie die Untersuchung ergeben hat, haben auch tatsächlich alle Opfer ihn durch irgendeine Handlung, sei es durch Bestehlen oder Lügen, herausgefordert.” Ein Vorwurf den Großmann zu seiner Verteidigung wahrscheinlich erfunden hat. Dem Serienmörder glaubte man diesbezüglich dann jedoch mehr als den Opfern.

Sonstiges

Großmanns Geschichte wird im 2013 eröffneten Berlin Dungeon erzählt.

Die Zahl der prostituierten Personen wird für um 1914 auf 330.000 geschätzt.

Literatur

• Horst Bosetzky: Die Bestie vom Schlesischen Bahnhof. Dokumentarischer Roman aus den 20er Jahren. Jaron-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-89773-078-2.

• Matthias Blazek: Carl Großmann und Friedrich Schumann. Zwei Serienmörder in den zwanziger Jahren. ibidem-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8382-0027-9.

• Peter Haining: Cannibal Killers. Murderers who kill and eat their victims. Magpie Books, London 2005, ISBN 1-84529-792-X, Kapitel: „The Bread And Butter Brides“.

• Maria Tatar: Lustmord. Sexual Murder in Weimar Germany. Princeton University Press, Princeton NJ u. a. 1995, ISBN 0-691-04338-8.

Quellen

prostituiertenmoerder/karl_grossmann.txt · Last modified: 2017/06/27 18:01 by hanna