Alina Grosu

Alina Grosu, 31 Jahre, Rumänin (auch: „Lina“) Quelle: e110

31 Jahre, Rumänin

„Lina“

22. März 2008, Karsamstag, gegen 11:23 Uhr, Stuttgart, Terminwohnung Immenhofer Straße

Alina arbeitete erst seit wenigen Wochen in Karlsruhe und Stuttgart als Prostituierte. Die alleinerziehende Mutter wollte Ged für ihre zwei kleinen Kinder in Rumänien (Carancebes) verdienen.

Am Karsamstag 2008 klingelt um 11.23 Uhr ein Unbekannter bei „Lina“. Das Video, das der Polizei vorliegt, zeigt, wie sie dem vermeintlichen Kunden die Tür öffnet. Plötzlich zückt der Mann ein Küchenmesser und fällt hinterrücks über sein Opfer her. Alina wird mit mehreren Messerstichen getötet. Die Klinge seines Messers misst 25 Zentimeter, die Stiche sind laut Obduktion 26 Zentimeter tief. Der Täter muss mit voller Wucht agiert haben. Danach erst schließt der Unbekannte die Wohnungstür und reinigt im Bad seine Hände. Das Messer lässt er liegen. Nach der Tat montiert der Mann die Webcam ab und nimmt sie mit. Offenbar weiß er nicht, dass die Bilder bereits übertragen und auf einem Computer gespeichert wurden. (Aktenzeichen XY)

Auch neue Erkenntnisse von Freiburger Wissenschaftlern hatten nicht weitergeholfen: Ihren Untersuchungen zufolge muss der Täter, der auf den Bildern mit einer auffallenden Frisur, wahrscheinlich einer Perücke, zu sehen ist, eine riesenhafte Erscheinung sein. 1,90 Meter misst er und trägt mindestens Schuhgröße 47. Hunderten Hinweisen ging die Sonderkommission Hofer nach, „doch eine heiße Spur war nicht dabei“, sagt Polizeisprecher Jens Lauer. (Stuttgarter Nachrichten, 2. Juni 2009)

Mehr als 550 Speichelproben von Männern, die im Stuttgarter Rotlichtmilieu bisher auffällig geworden sind, wurden überprüft; mehr als 900 Spuren verfolgt - ohne Erfolg.

Beim Spiegel erfährt man mehr über die Lebensumstände:

„Die Frau stammt ursprünglich aus einem kleinen Dorf im äußersten Südwesten Rumäniens - und aus ärmsten Verhältnissen. Jahrelang steht sie Tag für Tag in ihrer Heimat am Straßenrand, wartet auf Lkw-Fahrer, die sie in ihre Kabine hochklettern lassen und denen sie dort ihre Dienste anbietet. Aus purer Not habe Alina G. als Prostituierte ihr Geld verdient, sagt ein Ermittler. Doch es reicht nicht, um ihre sieben Jahre alte Tochter und den zehn Monate alten Sohn zu ernähren. Die 31-Jährige lässt die Kinder bei ihrer Mutter und fährt Anfang 2008 nach Deutschland, um dort als Prostituierte zu arbeiten. In der Hoffnung, dort mehr Geld für ihre Familie verdienen zu können - obwohl sie weder Deutsch noch Englisch spricht. Sie landet in Karlsruhe. In einem einschlägig bekannten Internet-Portal inseriert sie. Ihren Freiern stellt sie sich unter dem Namen Lina vor und empfängt sie in einer Wohnung. Alina G. will nur ein paar Wochen bleiben, dann weiterziehen - so lautet das Prinzip der reisenden Liebesdamen, die von Zuhältern angeheuert werden und nach kurzer Zeit die Stadt wechseln. „Diese Frauen sind ständig in Bewegung“, sagt Wolfgang Hohmann, Leiter des Ermittlungsdienstes Prostitution, einer Sonderdienststelle der Polizei Stuttgart, SPIEGEL ONLINE. Kaum habe man sie in der Stadt registriert, seien sie schon wieder weg. Im März zieht die junge Rumänin mit den rotgefärbten, schulterlangen Haaren nach Stuttgart. Dort findet sie kurzzeitig Arbeit in einem Hotel. Danach beginnt sie, in einer geräumigen Zweizimmerwohnung in einem herrschaftlichen Altbau in der Immenhofer Straße 4 am Österreichischen Platz als Prostituierte. An der Klingel steht „Hofer, 2. Etage“. Freier verkehren in der sogenannten Modellwohnung ebenso diskret wie die Damen. Keiner der Nachbarn habe sich je beschwert, heißt es bei der Polizei. Ermittler der Soko „Hofer“ reisten im Rahmen der Fahndung nach Alinas Mörder auch in deren Heimatdorf in Rumänien. Niemand dort kennt den Mann. Auch nicht ihre Freundinnen vom Straßenstrich. Doch das traurige Ende ihrer einstigen Weggefährtin habe die Frauen dort sehr erschüttert, erzählt einer der Beamten.

Aktenzeichen XY ungelöst - Sendung am 03.06.2009

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