Alma

19 Jahre alt, Rumänin

31. Juli 2014, Glockengasse 68, Köln (Terminwohnung)

Alma wurde auf sadistische Weise gefoltert und verletzt. Sie wurde sowohl mit Schlag- als auch mit Stichwerkzeugen auf übelste Weise zugerichtet. Alma überlebte den Angriff und kam mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik. Alma wurde notoperiert: Eine Hirnblutung musste sofort behandelt werden, gab die Polizei bekannt. «Sie muss notoperiert werden», berichtete Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer am Abend der Presse. Die Polizei gab bekannt, dass die 19-Jährige offenbar schon länger misshandelt worden ist: Die zahlreichen Verletzungen, die sie auf ihrem noch so jungen Körper trägt, sind bereits älter. Das hat die gerichtsmedizinische Untersuchung ergeben.

Die prostituierten Frauen in der Kölner Glockengasse 68 arbeiten unter Tarnnamen wie „Engel“, „Winter“ oder „Herz“. In nahezu allen Wohnungen des Hauses findet Prostitution statt.

Dies ist die Geschichte von Alma, einer jungen 20-Jährigen Frau, aus dem Dorf Boboli, der Mutter eines 1 1/2 Jährigen kleinen Jungen. Sie beginnt im Januar diesen Jahres, als sie einen Anruf von einer Freundin aus Deutschland erhielt, die ihr eine Arbeit als Reinemachefrau in Privathaushalten versprach. Sie würden zusammen in einer Wohnung leben, sie würde alle Papiere fertig machen und sie würden sich alle drei Monate gegenseitig ablösen, so dass es möglich sei die Familie in Rumänien regelmäßig zu sehen. Die beiden kannten sich von der Schule, die Freundin war zwei Klassen über ihr gewesen und war ein Jahr zuvor nach Deutschland gegangen.

Almas Reaktion war nicht unbesonnen. Sie fragte ihre Eltern um Rat und die Erlaubnis. Almas Mutter war der Meinung sie sei zu jung , weshalb sie sich entschied nicht zu gehen. Auch auf einen entsprechenden Anruf im Februar reagierte Alma negativ, erst im März gelingt es der Freundin eine Zusage von Alma und deren Familie zu erhalten. Alma war während ihrer Schwangerschaft vom Vater ihres Sohnes verlassen worden, und sie wollte Verantwortung für ihr Kind zeigen und durch die Arbeitsaufnahme dem Kind und ihrer Familie ein gutes Leben bieten. Almas Mutter ist arbeitslos und ihr Vater arbeitet wenn er Glück hat Aufträge zu erhalten. Meistens lebt die ganze Familie vom Kindergeld. „Mama, ich gehe weg um Geld zu verdienen, um meinem Kind ein besseres Leben zu ermöglichen, als ich es hatte.“ Mit diesen Worten nahm Alma am 13. März ihren ganzen Mut zusammen, verließ ihre Familie und ging auf die Reise, die für sie zum Alptraum ihres Lebens werden sollte.

Das Ticket nach Leipzig wurde von Almas „Freundin“ bezahlt. Sie holte sie vom Bus ab und brachte sie „nach Hause“. Angst, Panik und Tränen kamen in dem Mädchen hoch, als sie sah, dass die Frau nicht alleine lebte, sondern mit ihrem Ehemann, Robert, einem Zuhälter, für den in Rumänien ein Haftbefehl vorliegt, und für den es ein Einreiseverbot in drei europäischen Ländern gibt. Vom ersten Telefonat an war der Mutter klar, dass etwas nicht in Ordnung ist. An Ostern ging sie zur Polizei und berichtete dieser, dass ihre Tochter in Gefahr sei, aber niemand kümmerte sich um den Fall. Die Telefonanrufe waren selten und Alma sagte unter Tränen „Ich bin ok, aber ich vermisse dich und mein Kind.“ Die Mutter antwortete „Wenn alles ok ist, dann komm nach Hause.“ Sie konnten nur wenige Worte wechseln, Alma wurde von Robert bei jedem ihrer Schritte überwacht, jedes Wort wurde von ihm diktiert.

Alma musste sich täglich mit mehreren Sexkäufern einlassen und es wurden insbesondere Bilder für pornographische Seiten aufgenommen. Es stellt sich die Frage ob Almas Jugendfreundin derselben Behandlung ausgesetzt wurde. Sie hatte Robert in Rumänien geheiratet und sie haben ein etwa 3-Jähriges Kind zusammen

Nach nur zwei Monaten wurde Alma nach Nürnberg weiter geschoben. Sie wurde eingesperrt, vergewaltigt und brutalster Gewalt ausgesetzt. Telefonanrufe blieben nun aus. Almas Eltern, die zwei Wochen lang gar nichts von ihrer Tochter hörten, wurden bedroht und verspottet.

Sie hörten erst wieder von Alma als diese erneut weiter geschoben wurde. Diesmal nach Köln, wo sie in bordellartigen Betrieben zur Prostitution gezwungen wurde.

Am zweiten Mittwoch im August beschlossen Almas Eltern: „Wenn sie sich bis Montag nicht gemeldet hat, dann gehen wir zur Polizei.“ Dazu kam es jedoch nicht, denn am Samstag klingelte es an der Tür und Polizisten teilten mit, dass Alma in einem Kölner Krankenhaus mit dem Leben kämpfte. Die Tragödie hatte sich bereits am 31. Juli ereignet, die Familie konnte jedoch erst drei Wochen später benachrichtigt werden. Die deutsche Polizei musste Interpol einschalten um die Familie zu finden. Robert und seine Frau sind seitdem verschwunden und werden via Fahndung gesucht.

Nach der schockierenden Nachricht versuchte die Familie Geld aufzutreiben um ihr Kind zu sehen. Frau G. gelang es Ende August nach Köln zu reisen. Eine Stunde lang sammelte sie ihren Mut bevor sie den Raum betrat. Der Schock saß tief. Alma war nicht Alma. Sie war nicht wiederzuerkennen. Sie war brutal zusammengeschlagen, in den Kopf getreten worden und lag im Koma. Im Arztbrief heißt es unter anderem „Die Patientin wurde in einem Bordell gefunden, auf dem Boden liegend, der Glasgow Score war 8 und verschlechterte sich im Krankenhaus auf 3“ (unter 8 bedeutet Koma, unter 3 bedeutet in der Regel der Tod)

Die Mutter konnte nur kurz bleiben, nur eine Woche, da das Geld nicht für länger ausreichte. Sie war bei Alma in einer Zeit, in der sie drei Gehirnoperationen durchstehen musste.

Sie verließ Deutschland in der Hoffnung ihre Tochter nicht zu verlieren. Sie musste sich um ihren Enkelsohn kümmern und Geld auftreiben um wieder zu Alma fahren zu können. Dank einiger DorfbewohnerInnen und einem Pfarrer, der zweimal für die Familie in der Gemeinde sammelte, konnte sie nach 1 1/2 Monaten wieder nach Deutschland reisen.

Mitte Oktober fuhren Alma und zwei Onkel erneut nach Deutschland. Sie konnten diesmal für 5 Tage bleiben, sie schliefen nachts im Auto. Alma war immer noch im Koma. Die Ärzte konnten es nicht glauben als sie Fotos von Alma von vor der Gewalttat sahen. Sie war nicht wiederzuerkennen. Frau G. und die beiden Onkel blieben bis zu Almas Geburtstag am 16. Oktober und mussten dann die Rückreise nach Rumänien antreten. Zwei Wochen später teilte die örtliche Polizei ihnen mit, dass sie erst vor zwei Wochen von dem Fall erfahren hätten und baten sie, die Polizei zu informieren sobald irgendetwas Verdächtiges auffallen würde. Die Ermittlungen laufen bis heute, was tatsächlich passiert ist bleibt bis heute unklar.

In der Zwischenzeit war Alma aus dem Koma erwacht, konnte sich jedoch nicht bewegen, nicht sprechen und weinte viel, weil sie nicht wusste was mit ihr geschehen war. Sie begann ein wenig zu essen, wurde jedoch weiterhin auch künstlich ernährt. Zwei- bis dreimal in der Woche wird sie in den Krankenhausgarten gebracht.

Bis zu ihrem Tod war Alma ein Pflegefall.

Laut Anklage hatte Robert T. Alma aus Wut darüber, dass sie seiner Meinung nach zu wenig Geld verdient hatte, mit der Faust mehrmals ins Gesicht geschlagen und ihren Kopf gepackt und minutenlang so heftig geschüttelt, dass sie bewusstlos wurde. Er soll sie an den Haaren immer wieder hochgerissen haben. Erst vier Stunden nach der Tat alarmierte seine Ehefrau die Rettungskräfte. Robert T. soll ihr das verboten haben.

Robert T. soll Alma unter anderem mit Nagellackentferner übergossen und angezündet haben. Seine Frau hatte noch versucht, das zu verhindern, indem sie Wasser in die Lackentferner-Flasche schüttete. Doch Robert T. soll das bemerkt und sie zur Nachbarin geschickt haben, um Nagellackentferner zu holen. Auch an jenem Juli-Tag in der Glockengasse soll sie versucht haben, ihre Freundin vor Robert T. zu schützen. Die Ermittler tappten lange im Dunkeln und kamen dem Rumänen auf die Spur, weil seine Frau ihn im Januar dieses Jahres in einem Gespräch mit einem rumänischen Fernsehsender schwer belastete. Robert T. saß zu diesem Zeitpunkt gerade in Auslieferungshaft in Thüringen.

Vor Gericht sagte die Ehefrau u.a. aus:

Weil Alma bei den Freiern für verschiedene Dienste angeblich zu wenig Geld nahm, wurde sie von Robert T. auf brutale Weise misshandelt. „Er hat sie so lange gequält, bis die Haut abgefallen ist“, schilderte die Zeugin das Martyrium. […] Weil sie auch diesmal nach Einschätzung des Zuhälters zu wenig Geld nach Hause brachte, wurde Robert T. erneut gewalttätig. „Er wollte diesmal keine Spuren an ihrem Körper hinterlassen, damit die Kunden das nicht sehen“, erklärte die Ehefrau die brutale Attacke, die vor ihren Augen stattfand: „Er hat sie immer wieder an den Haaren hochgezogen und geschüttelt, bis sie die Augen verdrehte und das Bewusstsein verlor.“ Weil Alma nicht mehr aufwachte, befahl Robert T. der Ehefrau, einen Krankenwagen zu rufen und nahm Reißaus.

Robert T. wurde im Dezember 2015 zu acht Jahren Haft verurteilt.

http://abolition2014.blogspot.de/2014/12/sie-wollte-ein-besseres-leben-fur-ihr.html

http://www.news.de/panorama/855552526/hure-in-koeln-gefoltert-sadist-richtet-19-jaehrige-mit-stichwerkzeug-brutal-zu/1/ (zuletzt abgerufen: 18.11.2015 17:36 Uhr)

http://www.express.de/koeln/-alma---19--ringt-mit-dem-tod-koelner-huren-zittern-vor-dem-irren-sadisten,2856,28005246.html (zuletzt abgerufen: 18.11.2015 17:37 Uhr)

http://www.express.de/koeln/untersuchung-ergab-hure--alma---19--wurde-schon-laenger-misshandelt,2856,28006712.html (zuletzt abgerufen: 18.11.2015)

http://www.express.de/koeln/brutale-mord-attacke--prostituierte--19--in-der-koelner-city-aufgefunden---lebensgefahr-,2856,27997864.html (zuletzt abgerufen: 18.11.2015)

http://www.express.de/koeln/mit-schlag--und-stichwerkzeugen-sadist-quaelt-hure--19----sie-schwebt-in-lebensgefahr-,2856,28001848.html (zuletzt abgerufen: 18.11.2015)

http://www.rundschau-online.de/koeln/bluttat-in-koelner-glockengasse-prostituierte-lebensgefaehrlich-verletzt,15185496,27997920.html (zuletzt abgerufen: 18.11.2015)

http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regiolinegeo/nordrheinwestfalen/article130763981/Prostituierte-lebensgefaehrlich-verletzt.html (zuletzt abgerufen: 18.11.2015)

http://www.rundschau-online.de/koeln/19-jaehrige-im-koma-interpol-soll-eltern-der-prostituierten-finden,15185496,28137412.html (zuletzt abgerufen: 18.11.2015)

http://www.ksta.de/koeln/sote-prozess-zuhaelter-koeln-frau-angezuendet,15187530,32204912.html (zuletzt abgerufen: 18.11.2015)

http://www.ksta.de/koeln/sote-martyrium-prozess-koeln,15187530,32270908.html (zuletzt abgerufen: 18.11.2015)

http://ziaruloglinda.blogspot.de/2014/11/vinovata-ca-si-dorit-un-trai-mai-bun.html?m=1 (zuletzt abgerufen: 18.11.2015)

http://www.rundschau-online.de/koeln/bordell-an-der-glockengasse-sadistischer-zuhaelter-nach-bluttat-verurteilt---19-jaehrige-bleibt-pflegefall,15185496,32984296.html (zuletzt abgerufen 1.1.2016)

https://www.emma.de/artikel/ioana-hat-nicht-ueberlebt-336487

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  • Zuletzt geändert: 2019/11/23 14:15
  • von hanna