Andrea B.

Andrea B., 44 Jahre alt, Deutsche, Quelle: RTL

27. Oktober 2012, Hannover, Alexander Klenkes Wohnung in der Hildesheimer Straße

Andrea B. stammte aus Ibbenbüren und war erst kurz zuvor nach Hannover umgezogen. Den Schilderungen ihrer Schwester zufolge sei Andrea B. mit 16 Jahren aus dem Elternhaus ausgezogen. Als sie Jahre später verheiratet und schwanger war, habe sie nochmals engen Kontakt zur Familie gehabt. „Wir haben damals viel gelacht“. Doch nach dem Scheitern der Ehe ging alles bergab. Der Sohn kam mit drei Jahren zu den Großeltern, Andrea B. zog nach Bielefeld, wo sie im Drogensumpf versank und ihren Lebensunterhalt mit „Stütze“ und Prostitution verdiente. „Sie ist mit ihrem Leben nicht klargekommen, war oft verzweifelt“ so ihre Schwester. Nach Hannover sei sie gegangen, weil sie sich aus ihren früheren Zusammenhängen habe lösen wollen. Laut einem Freund, Detlef F. (46), saß sie mehr als 10 Jahre wegen verschiedener Delikte (Drogen, Schwarzfahren) im Gefängnis.

Andrea B. starb durch Machetenstiche in Hals und Brust. Anschließend verging der Täter sich an ihr. Alexander Klenke zerstückelte ihre Leiche in seiner Wohnung, packte sie mit seiner Freundin Camilla W. in Mülltüten und warf sie anschließend in den Maschsee. Auslöser soll gewesen sein, dass Andrea B. sich über seine rechten Ansichten lustig machte.

Alexander Klenke hatte in der Verhandlung das Verbrechen bestritten und seine Freundin als Täterin dargestellt. Die 37-Jährige beschuldigte als Zeugin jedoch ihn und sagte aus, unter Zwang bei der Beseitigung der Toten geholfen zu haben. Die Gewaltfantasien machten den 25-Jährigen zu einer tickenden Zeitbombe, betonte sie. Für die Tatzeit selber hat sie ein Alibi.

Seitens der Staatsanwaltschaft wurde Alexander Klenke vorgeworfen Andrea B. aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. Die beiden hatten sich kurz vorher in Hannovers Vergnügungsviertel kennengelernt. In der Wohnung des jungen Mannes nahmen sie gemeinsam Drogen. Dann soll er Andrea B. erstochen haben, weil sie Sex mit ihm ablehnte. Er habe das Gefühl des Tötens und Sterbens„ miterleben wollen, sagt Staatsanwältin Maidie Schenk.

Alexander Klenkes Nachbarn hatten schon öfter die Polizei gerufen, zB weil er mit Messern im Garten hantierte. Er schrieb Rapsongs und Gedichte über seine Gewaltfantasien und stellte sie ins Internet.

Besonders erschreckend ist der Inhalt eines Films, den der wegen Gewaltdelikten vorbestrafte Klenke im Januar 2010 ins Netz stellte. Das Musikvideo enthält Hinweise darauf, dass Klenke auch für den Tod der 24-jährigen aus Linden-Nord verantwortlich sein könnte. In seinem Rapsong behauptet Klenke, er habe schon als Junge den Wunsch verspürt, sich an einer Toten zu vergehen. Nach Informationen der HAZ betreiben Familienangehörige des Mannes in Nordrhein-Westfalen ein Beerdigungsinstitut – auch das erwähnt Klenke in seinem Song. Der Text handelt von einer blonden Frau, die ihre Haare zum Zopf gebunden hat und eine Brille mit dicken Gläsern trägt. Diese Beschreibung passt auf die 24-jährige Monika Pawlak]]. Sie verschwand am 31. Dezember 2009, wenige Tage später fanden Spaziergänger Teile ihres Leichnams unter der Legionsbrücke in Linden-Süd. In dem Video, das Alexander Klenke am 1. Januar 2010 – also unmittelbar nach dem Tod von Monika Pawlak]] – ins Netz stellte, beschreibt er, wie eine junge Frau bis zur Bewusstlosigkeit misshandelt und vergewaltigt wird. In einem weiteren Vers spricht Klenke davon, dass endlich die Gelegenheit gekommen sei, um seine Phantasie auszuleben. Ein Polizeisprecher sagte am Freitag, das Video sei den Ermittlern bekannt, der Inhalt werde geprüft. Darüber hinaus machte er keine Angaben zum Stand der Ermittlungen.

Screenshot Youtube, gefunden bei Publikative

Die Staatsanwältin war der Ansicht er beging die Tat auch um in der Öffentlichkeit zu stehen. Er nahm regelmäßig an Poetry-Slams teil und wirkte als Darsteller in Doku-Soaps mit (zB Niedrig und Kuhnt, X-Diaries, sogar eine Rolle in einem Tatort konnt er ergattern). Auch als Wahlhelfer der rechten Freien Wähler soll er sich in Bremen engagiert haben.

Der 25 Jahre alte Täter Alexander Klenke wurde vom Landgericht Hannover wegen Mordes zu 12 Jahren Haft verurteilt. Außerdem wurde er für unbestimmte Zeit in die Psychiatrie eingewiesen. Das Gericht stufte ihn aufgrund seiner schweren Persönlichkeitsstörung sowie seines Alkohol- und Drogenmissbrauchs als erheblich vermindert schuldfähig ein. Deshalb verhängte es keine lebenslange Haftstrafe. Er war bereits wegen Körperverletzung und Drogen-Delikten vorbestraft, saß u.a. ein, weil er einen Libanesen niedergestochen hatte. In der Wohnung des Mannes hatten die Fahnder neben Messern und einer Armbrust auch ein Foto des norwegischen, rechten Mörders Anders Breivik gefunden. In einem Song rappt er: „Du bist mein Star für Oslo, wir ficken den Rest. Du beschleunigst den Prozess“. Songs des „nationalen“ Liedermachers und NPD-Bundespräsident-Kandidaten Frank Rennicke spielte er neu ein: „Bewahr den alten deutschen Stolz vor diesen scheiß Parasiten (…) Wir haben noch immer die heilige Pflicht zu kämpfen“. Immer wieder rappt K. aber auch, wie er Frauen brutal angreift und vergewaltigt.

Video zu den Ermittlungen bei Sat 1 hier, und zur Verurteilung bei  hier RTL hier

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  • Zuletzt geändert: 2017/08/15 12:08
  • von hanna