Enid Adyero Ayere

Enid Adyero Ayere, 29, Uganderin, Quelle: Aachener Zeitung

29 Jahre, Uganderin „Mia“

24. April 2014, Aachen

Enid und ihre Eltern stammten aus Uganda, aber nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler ist Enid zumindest zum Teil in Deutschland aufgewachsen. Sie besuchte ein Gymnasium in Aachen, hat dort Abitur gemacht und wollte eigentlich Jura studieren.

Enids „Arbeitsplatz“ war seit Januar 2014 der Aachen Kaiserplatz. Sie verwendete den Namen „Mia“. Ein Bekannter, der ihr am Kaiserplatz immer wieder begegnete, sagt, sie sei gut gebucht gewesen, vor allem von Freiern aus Belgien. Dem Bekannten erzählte sie im Frühjahr, sie habe sich in psychologische Behandlung begeben, ihr ginge es nicht gut. Ihre Familie hörte letztmalig am 26. April von ihr. Enids stark verweste Leiche wurde am 15. Mai nahe der Autobahnabfahrt Aachen-Brand (Fahrtrichtung Belgien) gefunden.

Als vermutlicher Täter konnte im August 2014 ein 34-Jähriger aus dem Drogenmilieu festgenommen werden, bei dem belastende Beweise sichergestellt wurden. Er bestätigte gegenüber der Polizei, Enid in einem Streit schwer verletzt zu haben. Nach seinen Angaben hatte er bei ihr Kokain gekauft und die beiden hätten beschlossen, dies in einem Keller eines leer stehenden Gebäudes gemeinsam zu konsumieren. Im Laufe des Streits biss Enid den 34-Jährigen in den Daumen, danach attackierte sie ihn mit einem Küchenmesser und verletzte ihn an der Wange.

Als sie aus dem Keller flüchten wollte, hielt der 34-Jährige sie fest und begann, mit einem Wasserkocher auf sie einzuschlagen. So lange und so heftig, dass der Wasserkocher zerbrach. Enid erlitt Verletzungen im Bereich der Brust und des Halses, die bei der Obduktion später nicht mehr festgestellt werden konnten: Die Leiche war stark verwest. Ob dies zu ihrem Tod führte muss in den Ermittlungen geklärt werden. Er befindet sich in U-Haft. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass dem 34-Jährigen klar gewesen sein muss, dass Enid durch die Schläge lebensbedrohlich verletzt worden war. Trotzdem habe er den Keller verlassen, ohne Enid zu helfen oder Hilfe zu holen, und sich auf den Weg in ein Krankenhaus gemacht, um seine eigenen Verletzungen behandeln zu lassen. Die Staatsanwaltschaft wertet dieses Verhalten als versuchten Mord durch Unterlassen.

Drei Tage nach dem Vorfall im Keller, am 27. April, wurde der 34-Jährige am Daumen operiert, am 30. April wurde er aus dem Krankenhaus entlassen. Nach seiner Entlassung ging der 34-Jährige zurück in den Keller, in dem er Enid hatte liegen lassen. Sie war tot. Wann sie starb, ließ sich im Nachhinein ebenso wenig rekonstruieren wie die Todesursache. Denn die Ursache ihres Todes könnte laut Staatsanwaltschaft sowohl auf die Schläge mit dem Wasserkocher als auch auf Kokainkonsum zurückzuführen sein – oder auf eine Wechselwirkung von Schlägen und Kokain.

Nach seiner eigenen Darstellung hat der 34-Jährige Enid am 30. April in einen Einkaufswagen gelegt und sie mehr als fünf Kilometer zu Fuß durch Aachen geschoben. An der Trierer Straße im Aachener Stadtteil Brand habe er den Einkaufswagen die Auffahrt zur A 44 hochgeschoben, sei einige Zeit den Seitenstreifen entlanggelaufen und habe Enid schließlich in einem Gebüsch abgelegt – ohne dass ihn jemand dabei beobachtet hätte. Die Staatsanwaltschaft geht auch deswegen davon aus, dass der 34-Jährige gemeinsam mit seinem Vater die Leiche von Enid im Kofferraum eines Autos bis zu dem Fundort an der A 44 transportierte. Gegen den Vater wird deswegen in einem gesonderten Verfahren ermittelt.

Der Angeklagte ist laut Staatsanwaltschaft mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Diebstahls, Betruges und Körperverletzung. Zum Zeitpunkt seiner Festnahme sei er ohne Beschäftigung gewesen, hieß es.

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  • Zuletzt geändert: 2015/11/18 20:30
  • von mpoint