Name unbekannt

39 Jahre alt, Polin

Freitag, 13. Juni 2014, Gotha, Friernacher Straße

Nach der Misshandlung einer prostituierten Frau in Gotha hat die Staatsanwaltschaft vier Männer, Florin U., Ionut C., Marian D. und Nicolae P., wegen Mordversuchs angeklagt. Sie hätten die schwer verletzte Frau bewusstlos und gefesselt in einer Wohnung zurückgelassen und dabei ihren Tod in Kauf genommen, gab die Behörde bekannt. Die vier Rumänen seien sowohl in Deutschland als auch ihrem Heimatland bereits «vielfach» polizeibekannt, auch wegen Gewalttaten. Zwei hätten die Vorwürfe teilweise gestanden, zwei dazu geschwiegen.

Die 29 bis 35 Jahre alten Männer misshandelten demnach die Frau Mitte Juni 2014 in der von ihr genutzten Wohnung, schlugen und beraubten sie (700 Euro Bargeld, zwei Handys, drei goldene Fingerringe und Schmuck im Wert von ca. 300 Euro)

So wurde die Nebenklägerin durch neun massive Gewalteinwirkungen in Form von kräftigen Faustschlägen, möglicherweise auch Fußtritten, verletzt und - vermutlich mit einem Stoffteil - gewürgt. Sie erlitt Verletzungen im Gesicht, an Hals, Rumpf und Handgelenken, insbesondere trug sie komplexe Mittelgesichtsfrakturen, mehrfache Brüche der Begrenzungen von Augenhöhlen und Kieferhöhle, einen Bruch des Oberkiefers mit gelockerten Zähnen, mehrfache Brüche des Jochbeins, eine Nasenbeinfraktur und einen Mehrfachbruch des Unterkiefers davon. Die Verletzungen führten zu starken Blutungen im Mundbereich. Die Nebenklägerin verlor infolge der Gewalteinwirkungen wiederholt das Bewusstsein. In diesem Zustand fesselten die Angeklagten U. und C. - möglicherweise unter Mitwirkung der weiteren Angeklagten, jedenfalls aber mit ihrer Billigung - die Nebenklägerin, wobei ihr ein Satinstoffteil mindestens einmal um den Hals gewickelt und darüber ein nasses Handtuch angebracht wurde. Mit einem Samtstoffdekoschal fesselten sie darüber hinaus ihre Hände auf dem Rücken und verknoteten mit einem weiteren Band die Fesseln an den Händen mit dem Stoffteil, welches um den Hals gelegt war. Es bestand konkrete Lebensgefahr, nicht nur aufgrund der durch die Verletzungen bedingten starken Blutungen und Schwellungen im Mund- und Nasenbereich, sondern auch, weil sich die Nebenklägerin bei unwillkürlichen Bewegungen - insbesondere infolge ihres Erschöpfungszustandes und bei Bewusstlosigkeit - durch die Übertragung von Zugkräften der Fesselung an den Händen auf die um den Hals gelegten Stoffteile selbst zu Tode hätte strangulieren können. Die Angeklagten legten die so gefesselte Geschädigte auf dem Bett im Freierzimmer ab und nahmen billigend in Kauf, dass sie durch eintretende Atembehinderungen versterben könnte 1)

Die Frau habe sich trotz ihrer schweren Verletzungen noch selbst befreien können. Nach den Verdächtigen wurde danach mit internationalen Haftbefehlen gefahndet.

Die Staatsanwaltschaft macht keine Angaben, mit welchen Tatortspuren die Ermittler die Männer identifizierten. Einer ging der Polizei bei einer Routinekontrolle im niedersächsischen Goslar ins Netz, einen stellten Ermittler am Flughafen von Frankfurt/Main. Zwei weitere wurden in Rumänien festgenommen.

2016 wurden die Täter zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil im Mai 2017 auf und verwies den Fall zurück ans Erfurter Landgericht. Der BGH äußerte unter anderem Zweifel an der Einschätzung des Gerichts, es habe sich bei der Tat um einen Versuch gehandelt, einen vorangegangenen Raub und die Misshandlung der Frau zu verdecken.

Die Polizistin, die die Betroffene aufgefunden hatte, sprach vor Gericht von einem „schrecklichen Anblick: Blutüberströmtes Gesicht, auf dem Rücken gefesselte Hände, ein Handtuch um den Hals gewickelt, welches über ein Band mit den gefesselten Händen verbunden. Die Verständigung mit ihr sei schwierig gewesen, da sie kaum reden konnte. Ihr Gesicht sei geschwollen gewesen.

Bis heute (2018) leidet das Opfer unter den Verletzungen und psychischen Spätfolgen der Misshandlungen.


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  • Zuletzt geändert: 2019/04/19 14:58
  • von hanna