Irene B.

47 Jahre

Montag, 4. Juni 1990 (Pfingstmontag), Berlin – Bregenzer Straße

Bei dem Täter handelte es sich um den 28 Jahre alten Kriminaloberkommissar Frank P., Elitepolizist des MEK (Mobiles Einsatzkommando)

In der Hauptverhandlung berichtete P. von den psychischen Irritationen. Unter dem Druck einer konfliktreichen Liebesbeziehung mit der prostituierten Kollegin von Irene, Dajana B. suchte er Hilfe bei Odin, dem Oberhaupt der altgermanischen Götterwelt, und steigerte sich immer mehr in eine Psychose. Er hörte Odins Stimme, erhielt von ihm Befehle und glaubte nach Odins Willen handeln zu müssen. Den Mord beging er in dem Irrglauben, Odin ein Menschenopfer zu schulden, weil sich die Konflikte mit seiner Freundin bereinigt hatten.

Einen Blumenstrauß in der Hand, die Axt in der Sporttasche, erschien er nach dreiundzwanzig Uhr bei Irene B. Er schoß sie von hinten in den Kopf und versuchte dann, den Kopf vom Rumpf zu trennen. Er wollte ihn, eingedenk altgermanischen Kriegsbrauchs, am Teufelsberg im Grunewald begraben, damit Odins Pferd ihn fände und sich daran stärke.

Psychologen stellten die psychotische Störung in den Zusammenhang mit einer in der Kindheit ausgeprägten nazistischen Neurose.

Er wurde wegen Mordes zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt und ordnete die Fortsetzung der Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung an.

Neue Zeit, Do. 2. Mai 1991, Jahrgang 47 / Ausgabe 101 / Seite 23

Neue Zeit, Mi. 17. April 1991, Jahrgang 47 / Ausgabe 89 / Seite 23

http://www.tagesspiegel.de/berlin/einer-von-uns/668014.html

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