Jolanta L.

40 Jahre alt, Polin

14.11.2007, gegen 22:30 Uhr, Wiesbaden, Kastellstraße 9

Eine Nachbarin hört gegen 22:30 Uhr Hilfescheie aus der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, die schon lange als Terminwohnung bekannt ist. Seit zwei Monaten war sie der Arbeitsplatz von Jolanta L. Unter der Adresse freilich war sie nicht gemeldet. Zuvor soll Jolanta L. in einer anderen Wiesbadener Wohnung gearbeitet haben. Bekannt ist, dass die Polin im vergangenen Jahr unter anderem in Augsburg gearbeitet hatte.

Jolanta L. ist bekleidet, sie liegt auf dem Boden. Sie hat eine Rippenfraktur, Leberriss, Schürfwunden im Gesicht: Blut läuft ihr aus dem Mund. Der zweifachen Mutter lief Blut aus dem Mund, als Piotr G. von ihr abließ. Sie hatte in Todesangst laut um Hilfe gerufen. Piotr G. will sein Opfer, bevor er flüchtete, auf den Bauch gedreht haben. Damit die 40-Jährige nicht erstickt an ihrem Blut. Als die Streife eintrifft kämpft Jolanta L. noch mit dem Leben. Ihre Verletzungen sind jedoch so schwer, dass sie später im Krankenhaus verstirbt.

Noch während die Beamten in der kleinen Wohnung im ersten Stock stehen, hören sie ein Geräusch von draußen, von unterhalb des Fensters. Es hört sich an wie ein Schlag. Einer der Beamten schaut aus dem Fenster und beobachtet, dass ein Mann das Ziergitter des Kellerfensters nach außen gedrückt hat und durch das Fenster flüchtet. Die Beamten reagieren sofort, rennen runter. Doch in der Dunkelheit und bei dem Vorsprung des Verdächtigen haben sie bei ihrer Verfolgung keine Chance. Der Mann verschwindet in der Nacht. Gesehen wird, dass er in Richtung Emser Straße läuft.

Der Täter ist Piotr G., 25 Jahre alt und gelernter Frisör. Sein Hobby ist der Kampfsport. Er arbeitete als „Mann fürs Grobe“ für einen polnischen Zuhälter. Polnische Prostituierte hat er bedrängt, ihnen „Schutz“ geboten. Dafür mussten die Frauen die Hälfte des Freierlohns abtreten: bis zu 500 Euro am Tag. Piotr G. wollte dabei sein, wenn der Zuhälter das „große Geld“ macht. Der habe Wiesbadener Bordelle übernehmen und schließlich einen eigenen Club eröffnen wollen. Sämtliche polnischen Prostituierten, die hier tätig sind, sollten „in Schutz“ genommen werden, und Mädchen, die darauf verzichteten, sollten 10 000 Euro zahlen. Jolanta L. habe früher schon einmal für den Zuhälter gearbeitet, sagt der Angeklagte. Sie habe aus dieser Zeit Schulden gehabt, die Piotr G. zusammen mit seinem Komplizen eintreiben wollte: Es sei um einen Betrag zwischen 2000 und 3000 Euro gegangen. Jolanta L.´s Wohnung in der Kastellstraße war verwüstet und durchwühlt, als die Polizei dort eintraf. Aber die in einer Tampon-Schachtel versteckten 600 Euro waren immer noch an ihrem Platz.

Zwei mal wurde er bereits wegen Autodiebstahls verurteilt Piotr G. erklärt die Tat damit, dass er zuvor mit seinem Komplizen eine Flasche Wodka getrunken und Drogen konsumiert habe.

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