Maria Kuenstler

Maria Kuenstler, 19 Jahre alt, Chilenin, Quelle: Hamburger Abendblatt

2. Juni 2001, gegen 6:30 Uhr, Hamburg, Steindamm 24, Stundenhotel Arian

Maria Kuenstler wurde als 9-Jährige von einer Münchener Ärztin und Entwicklungshelferin adoptiert. Sie wollte aus Maria ein „Vorzeigekind“ machen. Sie kam in ein katholisches Internat, musste Musik-und Ballettunterricht nehmen. Das Elternhaus war sehr konservativ, Maria riss aus und landete in Hamburg.

Am Hauptbahnhof trieb sie sich herum, nahm erst Kokain, dann Heroin und Crack. Mit 16 gab es eine kurzzeitige Betreuung durch das Jugendamt. Sie bekam ein Zimmer in einer Jugendwohnung, doch immer wieder zog es Maria nach St. Georg. Häufig zahlte sie mit ihrem Körper. Mit 18 bekam Maria einen Platz im Polamidon-Programm. Sie wollte einen Schulabschluss nachmachen. In Eigeninitiative gelang es ihr, einen Platz zu finden.

Videokameras hatten den Besuch von Serge K. (geboren am 13. September 1978 in Treichville an der Elfenbeinküste) im Zimmer von Maria Kuenstler aufgezeichnet. Nach 4 Jahren hatten die Ermittler einen Fahndungserfolg in Frankreich. Serge K. hantierte mit rund einem Dutzend falscher identitäten und handelte mit Drogen, pendelte zwischen Deutschland, Frankreich und der Elfenbeinküste hin und her.

Der Täter: Serge K.

Serge K. schildert die Tat so: In St. Georg habe ihn die Prostituierte Maria Kuenstler angesprochen. Er habe auf ihren Wunsch für sie Crack gekauft. Sie habe ihm Gratis-Sex für das Crack versprochen. Auf dem Hotelzimmer sei es dann zum Streit gekommen. „Ich habe ihr gesagt, sie solle erst mal Geschlechtsverkehr mit mir machen“. Maria Kuenstler habe ihm nicht zugehört, wollte das Crack einnehmen. Er habe die Crack-Kügelchen zurückhaben wollen. „Wir haben gekämpft“, formuliert Serge K.. Sie habe ihn aufs Gesicht geschlagen, auf die Augen. Dann seien sie aus dem Bett gefallen. Er legt den Arm um den Hals der Dolmetscherin, demonstriert ansatzweise, was er damals tat. Wie beiläufig sagt er: „Meine Hand war noch auf ihrem Hals.“ Mit einer Hand habe er zugepackt. „Nach einigen Minuten ist sie ruhig gewesen.“ Dann sei er geflüchtet. „Ich war in Panik, wusste, wenn die Polizei mich festnimmt, werde ich im Gefängnis landen.“ Er habe Ängste gehabt, „wegen meiner Bewährung“. Denn am 15. März 2001 hatte ihn das Amtsgericht zu sechs Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt, wegen Raubes. Er floh zunächst nach Paris, lebte erst in einem Hotel, dann ein Jahr auf der Straße. Richter Rabe: „Sozusagen unter den Brücken von Paris, als Clochard?“ Angeklagter: „Ja, sozusagen.“

Er heiratete, nahm in Bordeaux einen Job als Wachmann für eine Supermarktkette an. Hamburger Zielfahnder haben ihn dort nach vier Jahren gefunden.

Am 13. November 2004 misshandelte er eine Prostituierte schwer, die den Geschlechtsverkehr „nicht auf seine Art“ vollziehen will, wie Ermittler sagen.

Serge K. wurde kurzzeitig auch für den Mord an Melanie Rottmann verdächtigt.

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