"Miyoko"

44 Jahre, chinesisch

Montag, 5. Juni 2017

Höfener Straße 59, Nürnberg (Terminwohnung)

„Miyoko“ war Mutter von zwei Kindern und verheiratet mit einem erfolgreichen Marketing-Manager (50), lebte seit Frühjahr 2016 getrennt von ihm.

Am Pfingstmontag wurde ihr Leichnam aufgefunden.

Felix R., Quelle: BILD

Am Tatort konnten, wie am Tatort von "Yenna", DNA-Spuren des 21 Jahre alten Nürnbergers Felix R. sichergestellt werden. Beide prostituierten Frauen wurden gefesselt und durch Strangulation ermordet. Felix R. war in der Vergangenheit wegen Diebstahls und Körperverletzungen gegen Frauen aufgefallen. Immer wieder soll es wegen ihm zu Stress gekommen sein, etwa wegen Gewalt gegen die Frauen und Zahlungsverweigerung.

Im Internet sah er sich Pornos und Sex-Filme an, in denen Menschen getötet werden. Dies habe den 22-Jährigen dazu gebracht, selbst so etwas tun zu wollen

Der Angeklagte sagte in seinem Schlusswort, was er getan habe, sei „nicht wiedergutzumachen“. Er bereue seine Taten und wolle sich dafür entschuldigen. Seit frühester Kindheit habe er „die Angewohnheit, möglichst wenig Emotion zu zeigen“. Er bat um eine Chance, „die bestmögliche Hilfe“ zu erhalten.

Der Staatsanwalt führte in seinem Plädoyer aus, der Angeklagte habe keine tiefen Freund- oder Partnerschaften gehabt und keinen beruflichen Erfolg. Er habe sich daher in virtuelle Spiele-Welten geflüchtet und im Internet viele Filme mit sexualisierter Gewalt angesehen. „Er stellte dies als sein Thema fest.“ In den Videos sei zu sehen, wie Menschen getötet werden - zur Unterhaltung oder sexuellen Erregung des Zuschauers. Im Lauf der Zeit habe der 22-Jährige den Wunsch verspürt, so etwas nicht nur als Zuschauer zu erleben, sondern selbst zu tun. Äußerlich habe man dem Angeklagten das Geschehen nicht angemerkt, seine Taten habe er geplant.

R. sah hunderte von „Snuff-Videos“, Filme, in denen Menschen vor laufender Kamera gequält und getötet werden - oft auch zur sadistisch-sexuellen Erregung. Die Opfer sind in vielen der Videos nackt, immer wieder werden Frauen während des Akts erdrosselt. Was er sah, setzte Felix R. in die Realität um. „Er versprach sich hier von höchste Befriedigung“, so Weyde. „Bei normalem Geschlechtsverkehr spürte er nichts.“ Als R.s finanzielle Situation immer angespannter wurde, er war aus seinem Elternhaus geflogen, und lebte von Sozialleistungen in einer Sozialpension, sei er auch sexuell aggressiver geworden. Er besuchte eine Freundin, als sie zärtlich wurden, fasste er ihr an den Hals und begann, sie zu würgen. Ohne weitere Erklärung verließ er die schockierte Frau, als Zeugin war sie im Schwurgericht zu hören. Tage später suchte er die Prostituierten auf.

Wie Gott habe er sich dabei gefühlt, oder eigentlich eher wie der Tod, so schilderte er dem psychiatrischen Gutachter Michael Wörthmüller.

Er nahm auch ihr Geld und versuchte auch hier, wie schon vorher in der Modellwohnung in der Regensburger Straße, mit Hilfe eines Teelichts und auf dem Bett ausgelegten Zewa-Tüchern seine Spuren zu vernichten - und steckte die Wohnung in der Höfener Straße in Brand. Eine Stunde später surfte er im Netz auf den Seiten eines Elektro-Marktes, dort setzte er später das gestohlene Geld in Comic-Figuren um.

Felix R. wurde zu lebenslänglicher Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. In der Haft, am 12. Juli, plante Felix R. die ihn betreuende Gefängnis-Psychologin als Geisel zu nehmen, um Forderungen durchzusetzen: „In der Zelle waren die Fenster bereits mit hochgestellten Matratzen verstellt, und als JVA-Mitarbeiter den Haftraum kontrollierten, entdeckten sie verknotete Gummis aus dem Hosenbund von Jogginghosen. Eine Schlinge? R. bestreitet, dass er die Frau fesseln wollte, vielmehr sei mit der Schnur eine Matratze zur Rolle gebunden worden, angeblich um als Boxsack zu dienen. In der Zelle lag auch, notiert auf einem Blatt Papier, ein Forderungskatalog. Von Fluchtgedanken kann keine Rede sein: Felix R. schwebte ein ständig gut gefüllter Kühlschrank vor, statt Hofgang unbegrenzter Zugriff auf das Internet und 600 Euro Guthaben für „World of Warcraft“.“

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  • Zuletzt geändert: 2018/11/29 14:48
  • von hanna