"Joy"

51 Jahre alt. Thailänderin

10. Januar 2013, Euskirchen, Kaplan-Kellermann-Straße, Wohnung von „Joy“

Angehörige von „Joy“ hatten versucht, sie vergeblich zu kontaktieren und alarmierten am 18. 01.2014 ihre Leiche in der geöffneten Wohnung.

Der 44 Jahre alte Täter Rolf H. gibt an, er habe ursprünglich vorgehabt „Joy“ ohnmächtig zu schlagen und dann auszurauben. Sie blieb jedoch bei Bewusstsein und habe angefangen zu schreien. In Panik habe er dann wahrscheinlich eine Lederpeitsche oder Gürtel genommen und sie erwürgt. Als Motiv gab er finanzielle Probleme an.

Der Vater von Rolf H., ein Steuerberater, sei gestorben, als er neun Jahre alt gewesen sei. Er habe weder zu seiner Mutter noch zu seinem jüngeren Bruder Kontakt. Das, so der Angeklagte, liege daran, dass sein Sohn an HIV erkrankt und daran 2012 gestorben sei. Auch seine Frau und seine Tochter habe dies stark belastet. Seine Frau sei depressiv und spielsüchtig geworden, seine Tochter nach dem Tod seines Sohnes drogen- und alkoholabhängig. Seine Stelle als Berufskraftfahrer habe er Ende 2012 verloren, weil seine Frau den Chef mehrfach um Lohnvorschuss angegangen sei, um ihrer Spielsucht nachzugehen. Zum Jahresende 2012 sei es finanziell sehr knapp gewesen.

Er habe bei allem familiären Chaos versucht, seinen eigenen Weg zu gehen und wieder zu sich zu kommen. Am Euskirchener Bahnhof, wo er seinen Sohn oft abgeholt habe, habe er davon geträumt, der Sohn würde aus dem nächsten Zug steigen. Er sei oft am Grab seines Sohnes gewesen, um seine Gedanken zu sammeln. Irgendwann habe er beschlossen, die Frau aufzusuchen, deren Wohnung er vor Jahren als Malergeselle „nebenbei“ renoviert habe. Er habe nicht gewusst, dass die Frau als Prostituierte gearbeitet habe. Beim ersten Klingeln zwei Tage vor der Tat habe ihn der Mut verlassen und er sei wieder gegangen. Am Tattag habe er sehr spät einen neuen Anlauf genommen. Diesmal habe er eine Tasche mit Schraubenzieher, Ratschen-Verlängerung und Multifunktionswerkzeug mitgenommen, um dort einzubrechen. Zur Vorsicht habe er geklingelt. Da habe die Prostituierte zu seiner Überraschung geöffnet.

Nach einem kurzen Gespräch habe die 51-jährige Thailänderin sich abgewendet und das Bett bezogen. „Da habe ich gedacht, da haust du einmal drüber, dann wird die ohnmächtig“, so der Angeklagte, der die Frau nach eigener Angabe ja nur ausrauben wollte.

Rolf H. entwendete Handy, Laptop und Handytasche, sowie 100 Euro Bargeld. Mit diesem ging er dann anschließend mit seiner Ehefrau zocken. Die Beute brachte einen Spielgewinn von 2000 Euro.

Rolf H. wurde im November 2013 zu lebenslanger Haft verurteilt.

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  • Zuletzt geändert: 2015/12/07 18:27
  • von mpoint