Katerina Vavrova

Katerina Vavrova, Quelle: Ungelöste Kriminalfälle

23 Jahre, Tschechin

4. August 2007

Wien, Prater (Straßenstrich)

Leiche gefunden: 6. August 2007, Asparn an der Zaya

Hintergründe

Katerina ging in Wien am Prater der Prostitution nach. Sie wurde von der Einrichtung „Sophie“ betreut. Katerina war nackt, der Mörder hatte den Körper mit Benzin übergossen und angezündet. Ihre Hände wurden abgetrennt. Sie wurde mit mehreren Messerstichen getötet.

Der Falter schreibt:

Ihre Freier nannten sie „Katerina, die Große“. Sie hatte von einem eigenen Haus geträumt. Am Ende reichte das Geld nicht einmal für die Überstellung ihres Leichnams in ihre Heimat Tschechien.

Ihr Begräbnis fand am Friedhof der Weinviertler Kleinstadt Asparn an der Zaya statt. Nur der Pfarrer und der Bürgermeister begleiteten den Sarg. In fünf Minuten war die Einsegnung beendet, ein streunender Hund bewachte das offene Armengrab. Da lag sie nun, „Katerina Vavrova, 1984–2007“, verkohlt, die Hände abgehackt.

Und weiter:

Katerina Vavrova und Petya Filkova: Unter welchen Bedingungen arbeiteten sie? Erzählen die an ihnen begangenen Verbrechen auch etwas über die Prostitutionspolitik dieser Stadt? Welche Fakten müssen Freier kennen, welche Fragen müssen sie stellen?

Wenn man den Kriminalbeamten Albert Lager von der Wiener Prostitutionsgruppe dazu befragt, dann klickt der Zigarillo-Kettenraucher auf seinem Dienstcomputer Fotos herbei und sagt: „Schauen Sie sich das einmal an.“ Lager zeigt zunächst Bilder von Quartieren von nach Österreich geschleppten Prostituierten am Lerchenfelder Gürtel, Bettgeher-Elend am Beginn des 21. Jahrhunderts. Mit Kindern, Großeltern und Cousins leben sie bedrängt bei Wucherzins. Die Studenten in den gegenüberliegenden Gürtelbögencafés ahnen nichts von den Zuständen auf der anderen Straßenseite.

Lager klickt ein weiteres Bild herbei. Man sieht darauf eine blonde Frau, deren Kopfhaut an einigen Stellen weiße Flecken aufweist. Die abgebrühten Kriminalisten in Lagers verrauchtem Dienstzimmer in der Berggasse werden plötzlich ganz still, sie unterbrechen ihre Schnurren über alte Strizzis, „die im Wolfspelzmantel in US-Schlitten“ über den Gürtel rollten.

„Polenparty, Wodka und gemma Vollgas“, sagt Polizist Lager. Ein Zuhälter hatte dem Mädchen die Haare ausgerissen und sie danach so verdroschen, dass ein Auge der Frau hinter blutigen Schwellungen versunken war. Lager sagt: „Das Mädchen hatte weniger als 50 Euro abgeliefert.“

Ist der Fall repräsentativ für die Lage der Straßenhuren? Lagers Leute wissen es nicht, aber sie sprechen von einer „Gewaltkulisse“, vor der die Frauen arbeiten. Sie funktioniere mal brutal, mal subtil. Wer aussteigen will, der wird auf den Websites von Bordellen mit vollem Namen ausgestellt. In den Heimatdörfern der Frauen bedeutet das den sozialen Tod.

Quellen

  • prostitutionmurders/katerina_vavrova.txt
  • Zuletzt geändert: 2015/08/05 20:28
  • (Externe Bearbeitung)